„Viscount Kingley“
Ein riesiger Pfefferminz-Schokokeks in grüner Folie
Der Viscount (britischer Butterkeks mit Pfefferminzcreme und Schokoladenüberzug) ist als einziger Keks mit Adelstitel ein ziemlich vornehmes Teil. Aber, anders als es den Anschein hat, nicht so vornehm, dass wir dachten, man könne ihn nur mit Markenprodukten in Riesengröße nachbauen. Das lag an der Ehrerbietung von Morrisons (britische Supermarktkette): Die waren so ehrfürchtig vor dem Pfefferminzwunder, dass sämtliche Eigenmarkenprodukte wie durch ein Wunder aus den Regalen verschwunden waren. Zusammen mit dem Pfefferminzaroma. Im Namen der Improvisation haben wir uns für einen bizarren Minzsirup als Ersatz für die Sandwichfüllung unseres unverschämt teuren Bio-Kekses aus Freilandhaltung entschieden.

Zuerst die Keksherstellung. Butter und Zucker werden in einer Art Fitnessstudio-Armtrainingshölle schaumig geschlagen, bis sie hell und fluffig sind. Dann kommt eine irre Menge Mehl dazu und wird eingearbeitet, bis ein göttlich schmeckender, keksiger Teig entsteht. Lecker. Wir rollen ihn aus und legen ihn in ein raffiniertes Pizzablech, das ich spontan im Palast von Morrisons gekauft hatte. Clever, dachte ich. So bleibt er in einer vernünftigen Form. Mehr dazu später…

Für knappe 15 Minuten in den Ofen, dann raus auf ein Brett zum Abkühlen. Kinderspiel. Hoppla: Vor lauter Aufregung stürze ich den Keks auf ein Brett, das ihn kaum fassen kann. Nein. Von „kaum“ kann keine Rede sein: Das Brett ist zu klein, und die köstliche Reinbutter-Leckerei zerbröselt und bricht. Iiiek! Da sind Kekse im Wert von Milliarden Pfund ruiniert.

Schnell! Ein Plan wird ausgeheckt — Dairy Milk (Cadbury-Milchschokolade) wird nach der traditionellen Schüssel-Wasser-Topf-Methode geschmolzen und als Überzug auf der Unterseite benutzt, um den Viscount wieder zusammenzukleben. Ein Hoch auf die schokoladige Köstlichkeit dieses fürstlichen Biests; ab in den Gefrierschrank, und Beinahe-Katastrophe Nummer eins ist abgewendet.

Um keine kostbare Sekunde Vorbereitungszeit zu verschwenden, nehmen wir uns den schmelzig-minzigen Wunderteil der Viscount-Gleichung vor. Und den Minzsirup (nicht trinken, das ist, als würdest du Mundwasser runterkippen). Ganz im Sinne von „wenn schon, denn schon“ (das ist schließlich ein königlicher Keks) entscheiden wir uns für ein Rezept für Pfefferminzcreme, bei dem ein Eiweiß aufgeschlagen und dann erst Puderzucker und anschließend Pfefferminzaroma dazugegeben werden muss. Wegen des Sirups ist sie ein klitzekleines bisschen flüssig, aber nach einer Weile im Gefrierschrank gießen wir sie auf den inzwischen reparierten Viscount-Boden. Sieht fest genug aus.

Ist es aber ganz bestimmt nicht. Fest entschlossen, den teuersten Keks zu ruinieren, den die Menschheit kennt, läuft das Minz-Fondant überall hin und klebt Kingley an der Gefrierschrankschublade fest. Nach einiger Meißelei wird es noch schlimmer, als sich der Konstruktionsfehler des Pizzablech-Rost-Dingsbums offenbart — flüssiges weißes Zeug tropft durch die Löcher im Boden und schmatzt über die Küche, über uns und über den Viscount.
Argh! Es braucht eine halbe Stunde, zwei Spültücher und millimetergenaue Handwerkskunst, um den ganzen Glibber vom Keks zu entfernen. Wir machen das Guss-Zeug neu (diesmal ohne Eiweiß), klatschen es drauf und überziehen das Ganze schnell mit Schokolade – alle königliche Sorgfalt und Hingabe ist längst über Bord gegangen. Das Fondant läuft nicht mehr aus, also schieben wir das Ganze in den Gefrierschrank und kümmern uns um die Verpackung.

Morrisons, mit allem Königlichen nicht so recht vertraut, hatte keine grüne Folie mehr. Abhilfe schaffen grüne Glasmalfarben, künstlerisch auf stinknormale Silberfolie aufgetragen. Wenn der Viscount in der Hello! auftreten würde, trüge er einen Maßanzug aus handbemaltem, von Hand verziertem Stoff. Gott, ist dieser Keks gut.
Und so erscheint endlich Viscount Kingley. Wahrhaftig ein Festmahl, eines Königs würdig (und dank der hochwertigen Zutaten mit einem Geschmack, der weit besser ist als beim Original). Warnung: Verzehr kann Gicht verursachen.

Und der obligatorische Querschnitt
