Vanillepudding-Tarte
Eine britische Custard Tart in XXL
Zutaten:
Frische Milch – 53 Pence
Weizenvollkornmehl – 47 Pence
Butter – 74 Pence
Backfett – 50 Pence
Freilandeier – 84 Pence
Gesamt: 3,08 £
Freitagnachmittag. Über eine Woche lang keine Prüfungen. Aufgeputscht von rauen Mengen Pepsi. Da blieb natürlich nur ein Riesensnack, und angesichts eines deutlichen Mangels an Kochkünsten und einer nicht gerade ausgiebigen Brainstorming-Phase entschieden wir uns für das Erste, was uns in den Sinn kam: eine riesige Vanillepudding-Tarte.
Die einfache Lösung wäre gewesen, einfach Fertigteig und etwas Puddingpulver zu besorgen, aber das wäre zu einfach gewesen, und wir suchten ja etwas, womit wir unsere Zeit verschwenden konnten. Da sich unsere bisherige Küchenerfahrung auf die Produktion verbrannter Scones im Hauswirtschaftsunterricht in der Schule beschränkte, gepaart mit dem blinden Glauben, dass das Internet für jedes Problem eine Lösung hat, ging es ab zu Google und Wikipedia, wo wir den Allzweckknopf mit der Aufschrift „Auf gut Glück!“ drückten. Bewaffnet mit einem Rezept und einer Zutatenliste zogen wir weiter zu Tesco!

Unsere nächste große Herausforderung war, eine geeignete Form zu finden, in der wir dieses Biest machen konnten. Nach kurzem Nachdenken über den Flammpunkt von Pappe und darüber, ob eine Form daraus in der Hitze des Ofens spontan in Flammen aufgehen würde, fiel die Wahl auf eine Auflaufform, die sich normalerweise nicht für Desserts eignet, aber genau die richtige Tiefe für diese Mammut-Tarte hatte.
Erster Schritt: der Teig. Schön einfach, nur Mehl, Butter und Schmalz vermischen. Na ja, halbwegs einfach: Geizhälse, die wir sind, haben wir natürlich sofort das Mehl mit dem niedrigsten Preisschild gekauft, und das war zufällig Vollkornmehl. Gibt der fertigen Tarte eben eine markantere Farbe, schätze ich…

Während der Teig im Kühlschrank wartete, war als Nächstes der Pudding dran. Auch nicht allzu schwer, bloß Eier + Zucker + Milch = Pudding. Nur dass die Milch erhitzt werden musste, und wir + Feuer ? Erfolg. Und prompt kochte die Milch über, und jemand von uns ist nur knapp an Verbrennungen dritten Grades vorbeigeschrammt.

Uns fiel auf, dass es ohne etwas Vanille einfach kein richtiger Pudding ist, also plünderten wir die Schränke und fanden dabei auch noch eigelbe Lebensmittelfarbe. Mit einem Schuss von beidem (na ja, etwas mehr als einem Schuss, wir haben keine besonders ruhigen Hände) bekam der Pudding genau das typische Puddinggelb, das wir wollten, und roch, na ja, ziemlich genau nach dem typischen Pudding, den wir wollten.
Eigentlich hätte der Teig zwei Stunden im Kühlschrank bleiben sollen, aber die Ungeduld siegte, und nach ungefähr zwanzig Minuten holten wir ihn raus und kleideten die Form mit einer schön dicken Schicht aus, damit die Tarte beim späteren Herauslösen nicht so leicht auseinanderfällt. Künstlernaturen, die wir sind, verzierten wir den Rand zum Schluss noch mit hübschen diagonalen Messerkerben, damit sie wirklich wie eine echte Puddingtarte wirkt.

Krise! Offenbar hatten wir nicht genug Pudding gemacht, um die riesige Form zu füllen. Ein schneller Sprint, um die nötigen Zutaten für die Puddingherstellung zu holen, und schon war eine Extraportion Pudding unterwegs, um die Tarte bis zum Rand zu füllen.

Zweite Krise! Wir beschlossen, die Tarte aus dem Ofen zu nehmen, um den Pudding zu testen. Aber wegen leichter Unstimmigkeiten bei der Handhabung (SPRICH: Wir hätten sie fast fallen lassen.) verließ ein erheblicher Teil unseres Puddings die Form in Richtung seines neuen Zuhauses auf dem Fußboden. War das das Ende der Tarte?
Zurück in den Ofen und kurz darauf wieder raus. Der Pudding war der Herausforderung buchstäblich gewachsen und hatte sich ausgedehnt, bis er den Tarteboden ausfüllte. Weil das Ganze mit einem großen braunen Fleck auf einer Seite der Haut ziemlich eklig aussah, entfernten wir diese oberste Schicht, und darunter kam ziemlich gut aussehender Pudding zum Vorschein. Etwas Muskat obendrauf gestreut, dann ab in den Kühlschrank, damit der Pudding fest wird, und warten bis zum nächsten Tag.
Am nächsten Tag war das Monster bereit, aus der Form geholt zu werden. Mit einer ziemlich genialen Methode, bei der zwei Messer, drei Teller und ein Gummiband zum Einsatz kamen, war die Aufgabe erledigt.

Die letzte Aufgabe: Wiegen, Messen und ein Vergleich mit dem Original.

Traditionelle Tarte:
Durchmesser – 7,5 cm
Gesamthöhe – 3 cm
Puddinghöhe – 2,5 cm
Gewicht – 82 g
Preis-Leistung – bei 82 g für 28 Pence macht das 2,93 Gramm pro Penny
Die Papa-Tarte:
Durchmesser – 21 cm
Gesamthöhe – 8 cm
Puddinghöhe – 5,5 cm
Gewicht – satte 1,8 kg
Preis-Leistung – bei 1800 g für 308 Pence macht das unglaubliche 5,84 Gramm pro Penny, oder 0,17 Pence pro Gramm. Schmeckt auch gar nicht mal so schlecht.
Die gigantischste Vanillepudding-Tarte, die diesen Planeten je beehrt hat.
