„Toblerton“
Eine riesige Toblerone aus selbst gemachten Schokoladen-Alpen
Bei einer Reise in die Schweiz vor Kurzem ist mir aufgefallen, dass irgendwer irgendwann die Landschaft „aufgemotzt“ hat, und zwar ganz einfach, indem er eine unfassbar riesige Brotdose genommen, sie mit Felsen und Schlamm und so Zeug gefüllt und den zusammengepressten Inhalt dann auf den ansonsten flachen Boden gekippt hat. Der betreffende XXL-Meister beschloss, dieses ambitionierte Projekt „Die Alpen“ zu nennen. Der Mann war eine Inspiration für uns alle.
Während ich über das gewaltige Ausmaß des Werks eines einzelnen Mannes nachgrübelte, wurde mir klar, dass ich diesem unbesungenen Helden unserer Zeit huldigen und gleichzeitig ein ziemlich ambitioniertes eigenes XXL-Projekt durchziehen könnte. Irgendein Dieb geistigen Eigentums in einer Schokoladenfabrik vor Ort hatte nämlich das geniale Werk unseres Helden dreist gemopst und es auf die jämmerlichen Proportionen geschrumpft, die wir heute als „Toblerone“ kennen. Bei mir zu Hause heißt dieses Luder nur „Das Anti-XXL“. Ich musste irgendwie den Schaden wiedergutmachen, den die Fabrik unzähligen Alpen-XXL-Fans zugefügt hatte – indem ich die unzulänglichen Schokoladen-Alpen wieder vergrößerte und sie auf annähernd XXL-Maßstab zurückbrachte.
Es wurde klar, dass so eine Aufgabe nur von einer Eliteeinheit aus Schokoberg-Baumeistern bewältigt werden konnte – also flog ich sofort nach Hause und bat meine Frau und das Schlagzeug-Ass meiner Band, mitzumachen. Der Rest wäre Geschichte, wenn es irgendwen interessieren würde (außer Jack Walden – einem Schüler von mir aus der 10. Klasse, der mich mit einem wissenden Blick auf pimpthatsnack.com gebracht hat, als wüsste er genau, wie viel Schlaf mich das letztendlich kosten würde).
Also, zur großen Nacht. Die Gewerkschaft der Schokoladen-XXL-Macher hatte es für illegal erklärt, ihre Mitglieder ohne genug Alkohol schuften zu lassen, weil sich der Job ohne den nicht ordentlich erledigen lässt – also habe ich mich als verantwortungsbewusste und fürsorgliche Chefetage bereitwillig daran gehalten.

Zu Beginn mussten alle Zutaten fein gehackt werden. Nina und Jen übernahmen die Großmesser-Patrouille, während meine Wenigkeit anfing, die rund 30 Tafeln Schokolade in ein riesiges Wasserbad zu brechen und alles zu schmelzen. Obwohl es Mitternacht war, ist, glaube ich, die halbe Nachbarschaft vor unserem Haus stehen geblieben, high von den Schokodämpfen. Ungefähr die Hälfte der geschmolzenen Schokolade wurde in die Mischung aus Mandeln, Nougat (ist das dasselbe wie „Nugget“ – das Zeug, an dem wir in den 1970er-Jahren auf dem Rummel unsere Zähne verloren haben, oder ist das was viel Vornehmeres, wie das Zeug, das diese belgischen Chocolatiers „Nuu-gaaah“ nennen), Honig und diversen anderen leckeren Sachen gegossen.

Dann mussten die Brotdosen gefettet und mit Backpapier ausgelegt werden. Die warme Masse wurde in die Brotdosen gegossen, die wir mit ihren Deckeln per Tesafilm an einem Ofenrost befestigt hatten. Die Roste mit den Mini-Alpen kamen dann für ein paar Stunden zum Hartwerden in den Kühlschrank.


Später – mehrere Flaschen später – kam der große Moment der Wahrheit. Würde unsere schlecht kalkulierte Alpenmischung genauso gut „fest werden“ wie die des Alpen-XXL-Meisters, was bei ihm ja offensichtlich geklappt hat – oder würden die Alpen von Toblerton aussehen wie übergroße Dairylea-Dreiecke (Schmelzkäseecken) in einer komischen braunen Farbe??

ERFOLG!
Unsere Alpen standen voll stramm, felsenfeste Minigebirge, und das hat mehr als einem abgebrühten Riesen-Snack-Profi eine Träne ins Auge getrieben, das kann ich dir sagen…
Mit einem Boden, der aus dem Karton eines DVD-Players geschnitten und von einem in aller Eile gebackenen Riesenkeks verstärkt wurde, um dem Fundament von Toblerton selbst Halt zu geben, haben wir die Alpen dann in diese unverkennbare Form gebracht – die kleinen Berge Rücken an Rücken über die ganze Länge der mit Alufolie ausgelegten Pappschlucht.

Über das Ganze wurde noch mehr geschmolzene Schokolade gegossen, für mehr Stabilität, ganz zu schweigen von diesem „alpenfrischen“ Glanz, und dann waren wir bereit für ein paar letzte Drinks vor dem Schlafengehen. Na ja, es war halb fünf morgens…
Als wir am nächsten Tag aufwachten, musste nur noch die überschüssige Schokolade kurz weggeschnitten werden, und voilà – wir hatten die Beleidigung wettgemacht, die die Schweizer Geschichte unserem inspirierenden XXL-Guru angetan hatte, und ich bin sicher, dass wir alle dadurch bessere Menschen geworden sind.
Ich jedenfalls kann wieder schlafen.

