„Jaffzilla“
Ein riesiger Jaffa Cake mit Orangenschicht und Schokohaube
UPDATE 13/04/2006: Inzwischen gibt es auch Son of Jaffzilla, mit einer Orangenschicht, die tatsächlich sagenhaft ist. Mehr dazu am Ende dieses Berichts.
Der Riesen-Jaffa-Cake hat eine lange Geschichte: McVitie’s trat einst gegen das Finanzamt an, um zu beweisen, dass der Jaffa ein Kuchen und kein Keks ist und deshalb von der Luxussteuer befreit. Um das zu untermauern, backten sie einen riesigen Jaffa, zeigten ihn den Geschworenen und argumentierten: Wenn das hier ein Kuchen ist, warum dann nicht auch einer in normaler Größe?
Natürlich haben sie gewonnen. Der Ausgang dieses Verfahrens kostet die britische Wirtschaft rund 34 Mio. £ an Steuereinnahmen pro Jahr, und der anhaltende Groll der Regierung sorgt dafür, dass Jaffa Cakes seitdem nicht mehr auf den Kekstellern im öffentlichen Dienst landen.*
* Dieser letzte Satz stimmt in Wirklichkeit nicht
Und damit ein eleganter Schwenk vom Jaffa-Prozess zum Jaffa-Herstellungsprozess. Wie baut man so eine Ikone in Riesengröße nach? Wir fanden, am besten zollen wir den Star-Juristen von McVitie’s Tribut und versuchen, genau den Jaffzilla nachzubauen, der wie eine Planierraupe durch die Gerichte gewalzt ist.
Kenne deinen Feind
Der erste Schritt war, die Hauptbestandteile eines Jaffa zu analysieren. Wir entführten zwei unschuldige Kuchen und unterzogen sie einer grauenhaften Vivisektion. Die Ergebnisse siehst du unten:

Eindeutig: Biskuit + sagenhafte Orangenschicht + Schokolade = Jaffa Cake. Interessanterweise ist jeder dieser drei Bestandteile für sich allein gegessen ziemlich eklig, vor allem die Schokolade; das Geniale liegt in der Mischung.

Nachdem die Zutaten beisammen und gut neun oder zehn Jaffa Cakes im Namen der Wissenschaft verspeist waren, machten wir uns an die Arbeit.
Für die sagenhafte Orangenschicht mischen wir Orangenabrieb, frisch gepressten Orangensaft und den blanken Horror namens Gelatine. Leider ist das nicht vegetarierfreundlich; das Zeug wird aus ausgekochten Kuhhufen gemacht, oder aus Elefantenzehen, oder so. Jedenfalls riecht es, als wäre es aus Füßen gemacht. Ab damit in den Kühlschrank.

Als Nächstes der Biskuit:
Biskuitrezept aus Good Housekeeping: 2 oz Zucker mit 2 oz Margarine verrühren, 1 Ei und dann 2 oz Mehl mit Backtriebmittel dazugeben. Gründlich mischen. Mengen nach Bedarf hochrechnen. Bei 180 °C 10–15 Minuten backen. Abkühlen lassen. Mit Kristal und Goldschmuck servieren. Bling-Bling!

Inzwischen zurück zur Verstörenden Orangenschicht. Sie ist wunderbar fest geworden, aber jetzt haben wir das Problem, sie aus der Form zu kriegen; sie umzudrehen und auf den Teller zu klopfen, bringt überhaupt nichts. Wir beschließen, bei einer Tasse Tee darüber nachzugrübeln.

Eine Tasse Tee später schieben wir sie kurzerhand für zehn Sekunden bei 800 W in die Mikrowelle. Katastrophe; die Götterspeise wandert wieder in den Kühlschrank, kopfüber. Köche begeben sich in Therapie.
Dreißig Minuten später haben wir unsere Götterspeise mithilfe von Backpapier und einem Pfannenwender aus der Form und auf den inzwischen fertigen Victoria Sponge gelockt.

Als Nächstes wird ganz klassisch die Schokolade geschmolzen. Zur Info: Wir nehmen eine Pyrex-Schüssel in einem Metalltopf mit kochendem Wasser aus dem Wasserkocher, ohne zusätzliche Hitze.
Wir achten darauf, dass die Schokolade nicht so heiß ist, dass sie die Verstörende Orangenschicht verflüssigt, und gießen sie drüber. Mit etwas geschickter Löffelarbeit bekommen wir das klassische Jaffa-Muster hin. Für 30 Minuten ab in den Kühlschrank.

Es lebt! Optisch ist das Ding ein Knaller – die sanfte Wölbung des Biskuitbodens, die Farbe der Schokolade, die Erhebung à la Ayers Rock in der Mitte für die Sagenhafte/Verstörende Orangenschicht. Außerdem ist es ziemlich groß.

XXL-tastisch! Ganz so gigantisch, wie es auf den ersten Blick wirkt, ist es in Wahrheit nicht – das sind größtenteils Mini-Jaffa-Cakes, nur links liegt ein normaler Jaffa Cake. Für einen genaueren Vergleich hier die Querschnitte:

Fürs Protokoll: Das Endprodukt ist widerlich. Kuchen und Schokolade sind zwar A1 und tipptopp, aber die Verstörende Orangenschicht enthält keinerlei Zucker und schmeckt wie Kalbsfüße, die man in Orangenmarmelade getunkt hat.
Update: 13/04/2006 – Son of Jaffzilla
Das obige Exemplar ist natürlich ein prächtiges Biest, zu Fall gebracht von einem einzigen fatalen
Makel – der Verstörenden Orangen-Huf-Schicht. Unsere XXL-Lebensmittelwissenschaftler
konnten nicht mit ansehen, wie das den ganzen Spaß verdirbt, also haben wir einen neuen
Jaffzilla mit einer brandneuen Orangenschicht gebaut. Ist sie sagenhaft? Und wie!

Wie du auf dem Foto vielleicht schon erraten hast, haben wir diesmal fertige
Orangen-Götterspeise von Hartley’s genommen, mit einem Spritzer frischem Orangensaft für
ein paar fette Style-Punkte. Nimm nur halb so viel Wasser wie empfohlen, dann wird
die Orangenschicht schön fest. Die wichtigsten Unterschiede zu unserem vorigen
Versuch sind erstens die Unmenge Zucker in der Götterspeise und
zweitens, dass wir den grauenhaften, grauenhaften Gestank von geschmacksneutraler
Gelatine beim Zubereiten nicht riechen mussten.

Son of Jaffzilla wurde einer Gruppe von
Staatsbediensteten als Opfergabe dargebracht, als Wiedergutmachung für ihr historisches Jaffa-Defizit.
Sie haben ihn in zehn Minuten verschlungen. Erfolg!