„Iced Gemnourmous“
Ein riesiger Iced-Gem-Keks mit rosa Glasurhaube
Der herrlich winzige Keks, der förmlich danach schreit, mit der Haube zuerst gegessen zu werden.
Wir haben erst mal das Original probiert, um herauszufinden, wie sich die Einzelteile am besten herstellen lassen. Uns kam es so vor, als wäre der Keksboden in Geschmack und Konsistenz einem Rich Tea (einem schlichten britischen Teekeks) sehr ähnlich, also haben wir per Google das Rezept dafür aufgetrieben. Die Glasurhaube wirkte sehr leicht und luftig, also beschlossen wir, dass gefärbte Eiweißspritzglasur (Royal Icing) das Richtige wäre. Das Rezept dafür lieferte Good Housekeeping New Basic Cookery.
Also zuerst den Keksboden, dann obendrauf die Glasur.
Zutaten: 16 oz Weizenmehl, 2 EL Backpulver, 1/2 TL Salz, 6 oz Butter, 1/2 Pint Milch. Die trockenen Zutaten wurden in einer Schüssel vermischt, dann die Butter klein geschnitten und eingerieben, bis feine Krümel entstanden. Dann kommt nach und nach die Milch dazu, bis ein Teig entsteht. Wir haben die doppelte Rezeptmenge gemacht, in der Hoffnung, dass es für einen Iced-Gem-Keksboden (Iced Gems sind Mini-Kekse mit einem harten Glasurtupfer obendrauf) reicht, der 10-mal so groß ist wie das Original. Ich bin froh, dass ich mir vor ein paar Jahren diese riesige Keramik-Rührschüssel im Ausverkauf gekauft habe – ich hab damals schon gesagt, dass die mal für irgendwas nützlich sein wird.

Als der Teig fertig war, behielten wir ein bisschen für das Quadratmuster oben auf dem Keks zurück und formten den Rest zu einer großen Kugel. Der Original-Gem-Keks misst 20 mm im Durchmesser und ist 6 mm hoch, also rollten wir die Teigkugel etwas kleiner aus als die erhofften 200 mm x 60 mm, damit er beim Backen noch aufgehen kann. Der zurückbehaltene Teig wurde zu dünnen Stücken ausgerollt, die als Verzierung mit etwas Milch festgeklebt wurden, und dann kam ein Loch in die Mitte. Mit einem Spieß wurden die Punktlinien rund um den Rand gemacht.


Nachdem die Oberseite mit Milch bestrichen war (im Rezept stand Ei, aber wir befürchteten, dass er dann zu sehr glänzt), war der ganze Keks bereit für den Ofen. Die 10 Minuten auf Gasstufe 8, die für normal große Rich-Tea-Kekse empfohlen werden, kamen uns für unser Ungetüm etwas optimistisch vor, also drehten wir auf Gasstufe 6 runter und schauten alle 10 Minuten nach. Als dann beunruhigende Risse auftauchten, die uns um die Statik des Gems bangen ließen, drehten wir noch einmal runter, auf Gasstufe 4. Ganze 35 Minuten, nachdem der Keks in den Ofen gekommen war, schien er durch zu sein.

Jetzt ist die Glasur dran.
Bevor wir mit der Glasur anfangen konnten, mussten wir einen gigantischen Spritzbeutel bauen. Eine 1,5-Liter-Colaflasche hat praktischerweise 11 Plastikrippen rundherum, mit denen sich das ‚Stern‘-Muster, das wir brauchten, leicht anzeichnen ließ. Nach ein bisschen flotter Arbeit mit Filzstift, dann Cuttermesser und Schere hatten wir unsere Tülle. Ein großer Gefrierbeutel tat es als Spritzbeutel, und ein Stück Isolierband hielt alles zusammen.

Zutaten: 4 Eiweiß, 900 g Puderzucker, 1 TL rosa Lebensmittelfarbe, 15 ml Zitronensaft.
Wir haben beschlossen, das Glycerin aus dem Standardrezept für Royal Icing wegzulassen, weil es nur dafür da ist, die Glasur geschmeidig zu halten, und das Letzte, was wir wollten, war ein Gem mit Schlabberhaube. Die vier Eiweiß wurden schaumig geschlagen und die Lebensmittelfarbe dazugegeben, dann begann die Plackerei, den Puderzucker unterzurühren. Am Anfang geht’s noch, aber als die Glasur immer steifer wurde, fingen unsere Arme an zu schmerzen. An diesem Punkt tunkten wir einen rosa Iced Gem in die Masse, um die Farbe abzugleichen, und gaben noch etwas mehr rosa Lebensmittelfarbe dazu.

Abwechselnd rührten wir immer mehr Zucker ein, und dann endlich: Sie bildete Spitzen! Zufrieden, dass sie von allein stand und nicht zusammenfallen würde, füllten wir die Massen an rosa Zuckerglibber in den Spritzbeutel. Vorsichtig, wie wir nun mal sind, machten wir mit unserem sternförmigen Spritzbeutel einen Probelauf, um sicherzugehen, dass wir die Technik voll draufhaben. Das klappte offenbar gut, also kratzten wir die Glasur zurück in den Beutel und legten richtig los. Diggers ruhige Hand zauberte eine schöne Spitze, und mit minimalem Nachstupsen bekamen wir sie hübsch spitz hin.

Dann haben wir ein letztes Mal nachgemessen: Der Gem hat einen wohlproportionierten Boden von 200 mm x 60 mm mit einer 100 mm hohen Glasurhaube.
Als wir das fertige Objekt neben unsere Original-Iced-Gems stellten, hatten wir das Gefühl, dass es ihnen Respekt abverlangte; verneigt euch, ihr Mini-Gems, vor dem mächtigen Iced Gem-normous.



An dieser Stelle interessierte sich der Kater etwas zu sehr dafür und musste weggezerrt werden, bevor er mittenrein springen konnte.
Zum Schluss musste nur noch die Glasur aushärten, dann wollten wir versuchen, sie ganz im echten Iced-Gem-Stil abzubrechen. Wir warteten bis zum nächsten Tag, und obwohl die Glasur noch nicht ganz durchgetrocknet war, brach die Haube ab und hinterließ einen Kreis aus rosa Glasur auf dem Keksboden.